Die großen Abteien


 

Die Marken bieten ihren Besuchern eine außergewöhnliche Vielfalt an Reisewegen und Orte des Glaubens, die seit Beginn des Christentums die Region geprägt haben. Kamaldulenser, Zisterzienser und Franziskaner haben das Gebiet mit Klöstern und Abteien übersät, die zum Teil die Gäste und Besucher heute noch so empfangen wie früher die Pilger und Wanderer. 
Nach dem Fall des Römischen Reiches wurden die Marken von den byzantinischen Exarchen und den Langobarden des Herzogtums Spoleto dominiert. Später wurden sie vom Kaiser und dem Kirchenstaat umkämpft, bis dieser schließlich zum alleinigen Herrscher wurde. Die lang andauernde administrative Ungewissheit kombiniert mit der beträchtlichen Distanz zum Zentrum der päpstlichen Macht in Rom, haben die Verbreitung des Benediktinerordens im 8. und 9. Jahrhundert begünstigt, beginnend mit den Städten Norcia und Farfa.  Die Klöster und Abteien entstanden hauptsächlich entlang der wichtigsten römischen Straßen – der Via Flaminia und der Via Salaria – sowie entlang der Flusstäler, welche vom Meer her zum Apennin empor steigen wie z.B. die Täler der Flüsse Marecchia, Metauro, Esino, Potenza und Chienti.

Die Region weist zwei der schönsten Beispiele romanisch-gotischer Zisterzienserarchitektur auf: In Chiaravalle befindet sich die Abtei Santa Maria in Castagnola, die von Mönchen aus Clairvaux gegründet wurde, und in Urbisaglia bei Tolentino die Abtei Santa Maria di Chiaravalle in Fiastra, die von den Mönchen der gleichnamigen Kirche in Mailand errichtet wurde. 
Die Kirche ist ein Beispiel für den Übergang von der romanischen zur gotischen Architektur. Sie wurde mit den Steinen der antiken römischen Stadt Urbs Salvia erbaut. Der Eingang zur Abteikirche zeigt nach Westen und die Apsis nach Osten. Die östliche Seite der Kirche grenzt an die Nordseite des angeschlossenen Klosterganges. Eine Reihe weiterer Gebäude vervollständigt das Kloster: Kapitelhaus, Auditorium, Schlafräume, Schreibstube und Speisesaal. 
Der Heilige Romuald, der Gründer des Kamaldulenserordens, der 1027 in den Marken in der mächtigen vom ihm gegründeten Abtei San Salvatore in Valdicastro bei Fabriano verstarb, inspirierte die Mönche von Fonte Avellana am Fuße des Monte Catria zur ersten Form organisierten Zusammenlebens. In diesem abgeschiedenen Ort der Meditation, versunken in den einsamen Wäldern und von Dante im XXI Canto als Paradies bezeichnet, legte Pier Damiani 1035 das Mönchsgelübde ab. Der Gebäudekomplex konserviert einen Schatz von unschätzbarem Wert für die nationale und europäische Kulturtradition mit einer breiten Vielfalt von Kunstformen, von der harmonischen Architektur zur wertvollen Sammlung von Büchern (15.000 Bände) und Skulpturen. Sehenswert sind die Kirche, die Krypta, das Sprechzimmer, die Bibliothek und der Klostergang.


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